dunkler Engel

geschrieben von Valerian am Samstag, 14. Februar 2009 um 10:09

Du bist der Vogel, dessen Flügel kamen,
wenn ich erwachte in der Nacht und rief.
Nur mit den Armen rief ich, denn dein Namen
ist wie ein Abgrund, tausend Nächte tief.
Du bist der Schatten, drin ich still entschlief,
und jeden Traum ersinnt in mir dein Samen, -
du bist das Bild, ich aber bin der Rahmen,
der dich ergänzt in glänzendem Relief.

Wie nenn ich dich? Sieh, meine Lippen lahmen.
Du bist der Anfang, der sich groß ergießt,
ich bin das langsame und bange Amen,
das deine Schönheit scheu beschließt.

Du hast mich oft aus dunklem Ruhn gerissen,
wenn mir das Schlafen wie ein Grab erschien
und wie Verlorengehen und Entfliehn, -
da hobst du mich aus Herzensfinsternissen
und wolltest mich auf allen Türmen hissen
wie Scharlachfahnen und wie Draperien.

Du: die von Wundern redet wie vom Wissen
und von den Menschen wie von Melodien
und von den Rosen: von Ereignissen,
die flammend sich in deinem Blick vollziehn, -
du Selige, wann nennst du einmal Ihn,
aus dessen siebentem und letztem Tage
noch immer Glanz auf deinem Flügelschlage
verloren liegt…
Befiehlst du, dass ich frage?

(für AF)

(Rainer Maria Rilke, 24.7.1899)

(Bild von pixelio.de,hofschlaeger)

Wenn ich…

geschrieben von Valerian am Samstag, 13. Dezember 2008 um 21:21


Wenn ich
Dich nie berühren dürfte,
würde ich Dich anschauen und Kraft aus Deiner Schönheit ziehen.

Und wenn ich irgendwann erblinden sollte,
dann würde ich meine Seele füllen
mit dem Klang Deiner Stimme
mit Deinen Gedanken

bis der letzte Funke meiner Liebe zu Dir
Licht in das sterbende Dunkel meines Geistes trägt.

(für AF)


(Bild von photocase.com – fomichi)

Seifenblasen

geschrieben von Valerian am Samstag, 5. April 2008 um 07:50

Seifenblase

Sie schweben bunt schillernd durch die Luft, leicht, farbenfroh, teil des „Großen Ganzen“, dünn und zerbrechlich.
Sie umschließen einen kleinen Teil der Welt, beschützen ihn mit ihrer fragilen Hülle.

Eine Seifenblase lässt sich tragen, lebt mit dem Wind, folgt den Strömungen der Luft. Sie ist wunderschön, eine jede ist einzigartig und existiert und für den Moment.

Bevor sie platzen werden sie langsam „dünner“, verlieren ihren Glanz, werden durchscheinender, unsichtbarer.
Und dann, fast unbemerkt, endet ihre Existenz und sie geben das was sie beschützt haben dem Großen Ganzen zurück, vereinen es mit all dem was uns umgibt und uns mit Leben erfüllt.

(Abendstern)

 (Bild von aboutpixel.de – Peter Ehmann)

einsamer Tod

geschrieben von Valerian am Donnerstag, 14. Februar 2008 um 05:53

einsamer Tod

Ein einsamer Mann.
Verhungert.
Mitten in Deutschland.

Gestern hat man seine Leiche gefunden, auf einem Hochsitz. Gestorben ist er schon im Dezember, blieb so lange unentdeckt.
Neben ihm: ein Tagebuch. Die Aufzeichnungen der letzten 24 Tage, in denen er sich bewusst zu Tode gehungert hat.
Es erzählt von Einsamkeit und Angst: dem verlorenen Job, der zerbrochenen Ehe, der geliebten Tochter, die sich abgewandt hat.
Und es erzählt vom Sterben, vom Dahinsiechen, vom Todeskampf eines Mannes der glaubte, alles verloren zu haben, der keine Zukunft, keine Perspektive mehr sah.

Sein letzter Wunsch: seine Tochter soll dieses Vermächtnis erhalten, die letzten Zeilen lesen die er geschrieben hat.
Sie hat es abgelehnt, wird nicht einmal für die Beerdigung aufkommen. So wird er zu Grabe getragen wie er starb: alleine, verlassen von allen.

Eine Geschichte aus Deutschland: hier leben wir, hier lieben wir.
Hier verlieren wir,

Hier sterben wir.

(Bild von aboutpixel.de – steff74)

Bewegungsloser Tanz

geschrieben von Valerian am Samstag, 27. Oktober 2007 um 11:25

bewegungsloser Tanz

Und ich tanze durch die Nacht
Tanze leise und ganz sacht

Niemand sieht es
Niemand spürt

Von der Welt so unberührt
Tanz ich weiter nur im Geist
Ohne Körper, also still
Sitz ich tanzend wie ich will

Jemand sieht es
Jemand spürt

Von der Welt nicht unberührt
Denn der Kritiker ist da
In mir drin, ganz tief versteckt
Ich bemerk wie er sich reckt

Und ich tanze durch die Nacht
Tanze leise und ganz sacht

 

(c) by C. N., geschrieben: 09.09.2007

(Bild von photocase.com – tobi.tobsen)

  • Nachgedacht

      Küsse sind das, was von der Sprache des Paradieses übrig geblieben ist.

  • Freunde

  • Hilfe

  • Sehenswert

  • Aus der Ferne

    • juli: wow, wie viele ander auch bin ich von deinem text positiv überwältigt. wie man so liebevoll die freundschaft...
    • Stefan Wehmeier: Wer noch an “Apfelbäumchen” glaubt,… http://www.deweles.de/files...
    • lhasa: Hallo Valerian, ich möchte mich ganz lieb für Deine Einladung hier zu lesen bedanken, für Deine wundervolle...
    • LillySun: Hallo Valerian … ich war längere Zeit nicht mehr hier . Bei mir hat sich Vieles getan .. und ich hab...
    • Tino: Ich bin zufällig auf diese Seite gestoßen und ich bin absolut beeindruckt. Tino
  • Schattenreich

  • Counter

  • `

  • Suche

  • Momentaufnahmen

  • Dunkle Kapitel

  • Erneuert

  • Schattenseiten

  • Der Schatten fällt

    Um immer über neue Einträge im ShadowBlog informiert zu werden, gib hier Deine E-mail Adresse an.